Community Conversations
mit Alex & Dydine
Episode 5
Was denkst du, was passiert, wenn wir die „Anderen“ hereinlassen?
Zu Gast: Monika Dorniak. Die Bedeutung von Selbstausdruck.
Das Gespräch fand als Instagram Live statt
17. Januar 2021
Biografie von Monika Dorniak
Monika Gabriela Dorniak (*1988).
Deutsch-polnische interdisziplinäre Künstlerin.
„Ich möchte meine Forschung zu Trauma und seinen Folgen mit euch teilen und dabei auf meine Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten und Migrant:innen an künstlerischen Projekten zurückgreifen. Traumatische Ereignisse verändern nicht nur das Leben eines einzelnen Menschen durch eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), sondern können auch biologisch an zukünftige Generationen weitergegeben werden, wodurch die Erfahrung von Trauma zu einer andauernden Belastung für die Familie wird.
Die Forschung, die ich mit euch teilen werde, wird von meinen persönlichen Erfahrungen begleitet, als Kind eines polnischen Migranten in einer ländlichen Gegend Deutschlands aufzuwachsen. Mein Vater musste aufgrund seines Engagements in der Solidarność als Anwalt aus dem kommunistischen Polen fliehen. Diese Erfahrung hat mich schon früh verstehen lassen, was es bedeutet, ‚die Andere‘ zu sein.
Ich ließ jedoch nicht zu, dass diese Zuschreibungen von außen mich bestimmten, sondern begann schon früh, das Verhalten der ‚normativen‘ und homogenen Gruppe zu analysieren. Dies führte mich zu den soziopolitischen Projekten, an denen ich heute arbeite. Neben meiner Forschung zu Trauma möchte ich die Erfahrungen und das Potenzial eines Migrationshintergrunds als Künstlerin teilen, die sich mit soziopolitischen Themen beschäftigt. Anhand ausgewählter Projekte, an denen ich gearbeitet habe, möchte ich die Möglichkeiten aufzeigen, den traumatisierten Körper zurückzugewinnen.
Meine Kunstwerke entstehen häufig in Zusammenarbeit und reichen von Performances und Workshops über tragbare Skulpturen bis hin zu Videos. Um Themen umfassender zu verstehen, verbinde ich Disziplinen wie Tanz, Psychologie, Natur- und Sozialwissenschaften sowie Philosophie. Ich nutze Kunst, um das Problem von Trauma anzusprechen und durch meine kollaborativen Projekte Wege zu erforschen, mit individuellem und kollektivem Trauma umzugehen. Seit einigen Jahren arbeite ich gemeinsam mit Migrant:innen und Geflüchteten an Projekten. Außerdem wurde ich vom britischen Künstler Marc Quinn beauftragt, mit Geflüchteten in London, Berlin und New York an seinem jüngsten Projekt Our Blood zu arbeiten, das ich euch später vorstellen werde.
Meine Arbeit mit Geflüchteten geht über die Grenzen der einzelnen Projekte hinaus, und ich habe Freundschaften mit vielen Menschen aus Ländern auf der ganzen Welt geschlossen, die Kriege aus erster Hand erlebt haben. Die vererbten traumatischen Erfahrungen meiner Familienmitglieder ermöglichen es mir, stärker mit diesem Thema mitzufühlen.“
Quelle: VORTRAG – 06. DEZEMBER 2019. THE POTENTIAL OF BEING DIFFERENT Experiencing the Museum Conference – Garage Museum Monika Gabriela Dorniak